Monika Schumacher

Unterbiberger Hofmusik * Stern über Biburg

VÖ 01.11.2013 * Himpsl Records / Galileo
 

www.unterbiberger.de
 

Franz Josef Himpsl * Trompete, Piccolo-Trompete, Flügelhorn, Gesang

Xaver Maria Himpsl * Trompete, Piccolo-Trompete, Flügelhorn, Gesang

Irene Johanna Himpsl * Akkordeon

Ludwig Maximilian Himpsl * Waldhorn, Perkussion, Gesang

Franz Josef Himpsl jr. * Gesang
 

Gäste:

Michl Engl (Michelangelo), Florian Mayerhofer (Tuba), Şeref Dalyanoğlu (Oud Track 3), Claudio Roditi (Flügelhorn Track 9), Wolfgang Lackerschmid  (Vibraphon, Marimbaphon Track 5)
 

Tracklist:

1. Biburg 3:04 (Irene Himpsl) * 2. BWV 36 Wie schön leuchtet der Morgenstern 1:31 (J.S.Bach) * 3. Stern überm Woid (Yine bir/türk.) 5:37 (Dede Effendi/ arr.Irene Himpsl/ Text F.Mothes) * 4. BWV 248 Vom Himmel hoch da komm’ ich her 1:13 (J.S.Bach) * 5. La Rama 3:52 (trad. Mexico/ arr.Kubilay Üner) * 6. BWV 227 Jesu, meine Freude 1:16 (J.S.Bach) * 7. Engel haben Himmelslieder 4:14 (trad. arr.Benjamin Köthe/ I.Himpsl) * 8. BWV 122 Das neugebor’ne Kindelein 1:26 (J.S.Bach) * 9. Christmas Waltz (tribute to Chet) 5:49 (Wolfgang Lackerschmid) * 10. BWV 368 In dulci jubilo 1:11 (J.S.Bach) * 11. Unterweihnacht 3:56 (Franz Himpsl) * 12. BWV 434 Wer nur den lieben Gott läßt walten 0:57 (J.S.Bach)
 

Pünktlich als Einstimmung auf die besinnliche Zeit zwischen Lebkuchen und Lichterglanz, den Bratapfelduft schon in der Nase, erscheint das Weihnachts-Album der Unterbiberger Hofmusik „Stern über Biburg“ – ein Debüt der besonderen Art. Unterbiberger Weihnachten klingt nicht wie überall, aber manchmal wie woanders.

So straft „La Rama“, ein traditionelles Sternsingerlied aus Mexiko, die Besinnlichkeit erst einmal Lügen. Temperamentvoll und mit spanischem Text, gesungen von Franz, Xaver und Ludwig Himpsl, beschreibt es, mit welch fröhlicher Energie auch unter gleißender Sonne das weihnachtliche Brauchtum gepflegt wird – und weiß dazu unvermittelt mit einer besonderen Überraschung aufzuwarten…

 

Ganz anders hingegen „Biburg“ – ein von Irene Himpsl komponierter langsamer Weihnachtswalzer. Eingebettet in diese Klänge scheint das winterliche Unterbiberg auf seine Ursprünge bis zum keltischen „Biburg“ zurückzublicken, über dem wohl auch schon zu dieser vorchristlichen Zeit die Sterne in Frostnächten funkelten. Voller Hoffnung auf das, was da noch alles geschehen sollte, fernab in einem Stall – wie der beschwingte Einsatz von Wolfgang Lackerschmids Vibraphon im Mittelteil vermuten lässt.

 

„Unterweihnacht“ von Franz Josef Himpsl entpuppt sich unvermutet als eine Art wunderbar melancholisch anklingende Zwillingskomposition zu Irene Himpsls „Biburg“. Völlig unabhängig voneinander entstanden, stellen Mutter und Vater Himpsl beim gegenseitigen Vorspiel ihrer Kompositionen fest, dass sie sowohl Tonart als auch Taktart identisch gewählt haben. Kann man tiefe Verbundenheit auf Augenhöhe besser dokumentieren?

 

„Stern überm Woid“, im türkischen Original „Yine bir gülnihâl“ – hier jedoch mit einem niederbayrischen Text von Franz Mothes – zeigt einmal mehr, wie hervorragend sich die beiden augenscheinlich so unterschiedlichen Kulturen des Bayrischen und des Türkischen ergänzen. Selbst im Umfeld des so urchristlichen Weihnachtsfestes fügen sich die türkischen Klänge wie selbstverständlich ein – oder war einer der Heiligen Drei Könige gar aus der Türkei? Zu hören ist die Stimme von Franz Himpsl junior, begleitet von Şeref Dalyanoğlu an der Oud, die in der türkischen Fassung des Liedes bereits auf dem vorherigen Album „Bavaturka“ zu hören sind. Hier im weihnachtlich-winterlichen Rahmen noch ergänzt von einem Solo des Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid.

 

Der „Christmas Waltz“ ist eine Hommage an Chet Baker. Wolfgang Lackerschmid schrieb dieses Stück bereits 1987 – es ist Teil ihrer engen Zusammenarbeit auf den beiden letzten Alben Chet Bakers vor seinem Tod. Hier ist es als Quartett-Arrangement ohne Akkordeon und Tuba zu hören. Chet’s Rolle wird von einem guten Musikerfreund und –kollegen der Famlie Himpsl übernommen – dem brasilianischen Trompeter Claudio Roditi.

 

„Engel haben Himmelslieder“ ist das wohl traditionellste Stück dieser CD (lässt man die Bachchoräle einmal außer Acht) und war ursprünglich Teil eines Weihnachtsmedleys der Unterbiberger Hofmusik und Prof. Benjamin Köthe. Der Anklang der (höfischen) Barocktrompete mit ihren Verzierungen, gespielt von Xaver Himpsl, gibt ganz nebenbei den entscheidenden Hinweis auf den eigentlichen Ursprung des Bandnamens „Unterbiberger Hofmusik“…

 

Die ausgewählten Bachchoräle haben allesamt (außer Track 12) einen liturgischen Bezug zum Weihnachtsfest – auch wenn Bach selbst einige dieser Melodien mit abweichendem Text für andere Anlässe verwendet hat. Sie dienen dem Album „Stern über Biburg“ als thematisches Gerüst. Die brillanten Interpretationen der Choräle verweisen jedoch einmal mehr auf den musikalisch klassischen Hintergrund aller Musiker und heben diese Stücke über ein bemüht weihnachtliches Grundrauschen weit hinaus.

 

Da bleibt nur noch, allen ein Himpslisches Weihnachten und ein Buntes Neues Jahr zu wünschen…!