Monika Schumacher

UNTERBIBERGER HOFMUSIK * Bavaturka – Türkische Reise

VÖ 03.08.2012 (Himpsl Records/Galileo)
 
Franz Josef Himpsl * Trompete, Gesang
Xaver Maria Himpsl * Trompete, Gesang
Irene Johanna Himpsl * Akkordeon, Orgel
Ludwig Maximilian Himpsl * Waldhorn, Perc., Gesang
Franz Josef Himpsl jun. * Gesang
Featuring:
Matthias Schriefl * Trompete
Jay Ashby * Posaune, Percussion
Şeref Dalyanoğlu * Oud
 
Herzstück der „Unterbiberger Hofmusik“ ist das Ehepaar Irene und Franz Josef Himpsl mit ihren drei Söhnen Xaver, Ludwig und Franz – bis auf den erst 9-jährigen Franz junior allesamt studierte Musiker. Heimat dieser hochmusikalischen Familie ist eine umgebaute historische Schnapsbrennerei in Unterbiberg, ein in unmittelbarer Nachbarschaft zu München gelegenes urbayrisches Örtchen. Soweit, so traditionell. Doch seit nunmehr über fünfzehn Jahren überschreiten die Himpsls souverän und selbstbewusst, doch immer mit allem Respekt vor den Ursprüngen und mit großem Wissen um diese Wurzeln musikalische Grenzen. Gemeinsam mit hochkarätigen Gästen, oder sagen wir besser Freunden der internationalen Musikerelite entstehen Kompositionen und Arrangements, die gleichermaßen irritieren wie begeistern. Startschuss zu dieser kongenialen Zusammenarbeit liefert 1994 der brasilianische Startrompeter Claudio Roditi. Nach seinem Auftritt in der Münchner Unterfahrt zu Gast bei den Himpsls in Unterbiberg, entsteht aus einer privaten Session zuerst die „Schnapsidee“ des gemeinsamen Projektes – und nur wenige Monate später die erste CD „Bajazzo“ auf dem neu gegründeten Label Himpsl Records. Einmal angestoßen gerät der vielzitierte Stein damit ins Rollen, in seiner Spur fünf weitere CDs, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Topleuten ihrer Genres wie Andrew McNaughton, Jay Ashby, Matthias Schriefl und Şeref Dalyanoğlu. Genremäßig kaum verortbar sind diese Produktionen und animieren Fachleute aus Musik und Medien zu gewagten Wortkreationen wie Tradi-Mix und Trachtenjazz – indes eine stetig wachsende Fangemeinde den Unterbibergern folgt und begeistert applaudiert…
 
Familie Himpsl – beziehungsweise die „Unterbiberger Hofmusik“ lassen sich von solcherart Diskussionen sowieso nicht beeindrucken, sondern sind längst auf dem Weg ganz neue musikalische Grenzbereiche und Überschneidungen zu entdecken und auszuloten. Bester und hier vorliegender Beweis: ihre gemeinsam mit Jay Ashby produzierte siebente CD „Bavaturka – Türkische Reise“!
Beweis auch dafür, wie Neugier und Offenheit gegenüber allen kulturellen Einflüssen Kooperationen und sogar Freundschaften entstehen lassen, die völlig ungekünstelt Traditionen miteinander verknüpfen und im musikalischen Kontext wirklich noch nie Gehörtes hervorbringen können.
 
Wie das geht und wie daraus „Bavaturka – Türkische Reise“ entstehen konnte, schildert Bandleader und Familienoberhaupt Franz Josef Himpsl am eindrucksvollsten selbst:

„Hätte mir jemand noch vor fünf Jahren prophezeit: Ihr werdet einmal ein türkisches Programm spielen – damals hätte ich verständnislos mit dem Kopf geschüttelt.
Doch wie heißt es so schön: Sag niemals nie… Denn im Grunde genommen wurden die Weichen bereits gestellt als wir 2005 und 2008 auf Einladung des Goetheinstituts in Izmir und Istanbul zu Gast waren. Während unserer Aufenthalte in der Türkei lernten wir eine unglaubliche Gastfreundschaft, interessanteste Menschen und phantastische Musiker kennen – und durften ganz besondere Einblicke in die türkische Musik nehmen. All das hat uns seitdem nicht mehr los gelassen.
Haben türkische und bayrische Musik jemals miteinander zu tun gehabt? Seit mehr als 300 Jahren sind die ungeraden Taktarten und Makamlar der türkischen Musik unüberhörbar Vorlage für die Musik aus dem Balkan, die wiederum indirekt unsere bayrische Musik beeinflusst.
Unsere fixe Idee beides nach typisch „Unterbiberger Art“ miteinander zu verknüpfen nahm nach und nach Formen an. Die ersten Schritte in eine musikalisch sehr fremde Welt bescherten uns als Musiker manch schweißtreibende Probe. Und hätten wir hier nicht Unterstützung von höchst kompetenter Seite erhalten, wären wir wohl nicht weit gekommen…Vergelt´s Gott, lieber Şeref!“