Monika Schumacher

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Samuel Jersak * The Melody At Night, Without You

VÖ 18.10.2019 * erlkoenig records
 
Samuel Jersak * piano
 
Jazz-Kenner werden beim Titel der neuen Platte des Pianisten Samuel Jersak sofort aufhorchen, ist er doch eine kaum verstellte Variation jenes fast auf den Tag genau 20 Jahre zuvor erschienenen Albums des großen Kollegen Keith Jarrett, der mehrere Jahre unter dem Chronischen Müdigkeitssyndrom gelitten und sich mit dieser sehr persönlichen, seiner Frau gewidmeten Platte aus einer quälenden Phase der kreativen Lähmung zurückgemeldet hatte: „The Melody At Night, With You“.
Wie damals für Jarrett, bilden auch für Samuel Jersak die Perlen des Great American Songbook das unverrückbare Zentrum seiner solistischen Arbeit. Nach persönlich schwierigen, von Erfahrungen wie Trennung, Schmerz und innerer Zerrissenheit geprägten Jahren hat Jersak seine Erinnerungen an diese Zeit mit dem neuen Album nun rückhaltlos der Musik überantwortet. Dabei überfrachtet er die überwiegend balladesken Standards aber keineswegs mit Bedeutung. Vielmehr lässt er sie souverän und in einem allgemein verständlichen Duktus aus sich selbst heraus erzählen. Im Vertrauen darauf, dass die Geschichte jedes einzelnen dieser unendlich oft gehörten Stücke sich permanent durch das Leben selbst, das hier buchstäblich aus den Fingern in die Tasten fließt, neu erzählt. Das ist auch deshalb so berührend, weil dieser Prozess genau das hervorkehrt, was man unter der Seele eines Songs versteht: seine überzeitliche emotionale Weisheit gepaart mit der Fähigkeit zur Adaption an das Neue.
So erzählen diese in anrührender Paradoxie weichen und doch klar konturierten Melodien, denen hier weniger etwas hinzugefügt wird, als dass man sie aus sich selbst heraus einfach sprechen lässt, weniger ein Leben als eine Haltung zum Leben. Und genau das macht sie teilbar. Samuel Jersak erzählt auf The Melody At Night, Without You eine neue musikalische Geschichte, die eine sehr klug gewählte Leerstelle aufweist. Ein Leerstelle, die jeder, der das Leben in sich spürt, im Hören passgenau selbst auszufüllen vermag. Denn diese aufrichtige und sehr einladende Musik wird tatsächlich erst im Hören komplett.
 
Samuel Jersak wurde in Tübingen geboren und wuchs in Reutlingen auf. Im Alter von sieben Jahren bekam er klassischen Klavierunterricht, als Teenager begann er, in Rockbands zu spielen und nahm Unterricht an der Kirchenorgel.
Mit 18 Jahren entflammte seine Liebe für den Jazz, die dazu führte, dass er Jazzklavier in Frankfurt, Köln und Nürnberg studierte. Zu seinen Lehrern gehören Hubert Nuss, Bill Dobbins, Martin Schrack, Steffen Schorn, Dave Liebman und viele andere.
Gegen Ende des Studiums begann seine Zusammenarbeit mit der Berliner Sängerin Sarah Kaiser. Konzerte rund um den Globus und ein Impala Award erzählen eindrücklich von den erfolgreichen Konzerten und CD-Produktionen.
2007 erschien die erste CD „Journey To Sydney“ von Samuel Jersak in der klassischen Klaviertrio-Besetzung. 2009 wurde das Nachfolgealbum „green land“ veröffentlicht, das sich als konsequente Entwicklung des ersten Albums präsentiert und einen gereiften, in sich ruhenden Pianisten zeigt, der mit seinem Trio (Axel Kühn, Bass und Marcel Gustke, Schlagzeug) ein dynamisches Feuerwerk entfacht.
 
2010 geriet Samuel Jersak in eine persönliche Krise, die ihn nicht davon abhielt, CDs für andere Künstler zu produzieren und als Sideman mit diversen Projekten zu konzertieren. Sie führte aber zu einer Blockade seiner eigenen Karriere. Diese künstlerische Krise löste sich erst 2018, als sich seine persönliche Situation änderte, die dazu führte, dass er seinen Lebensmittelpunkt nach Bern in die Schweiz verlagerte. Damit einher ging die Notwendigkeit, diesen schwierigen zurückliegenden Lebensabschnitt mit einem Projektalbum abzuschließen und mit einem Soloalbum zurückzukehren – The Melody At Night, Without You
 
Playlistkommentare von Samuel Jersak:
 
Polka Dots And Moonbeams (Van Heusen) 7:45
Dieser nicht so oft gespielte Standard begleitet mich seit Studienjahren und bewegt mich durch die einfache Schönheit der Melodie, die ich in meiner Interpretation in den Mittelpunkt stelle.
 
Peace (Silver) 4:57
Der Name ist Programm. Diese wunderschöne Ballade von Horace Silver besticht für mich durch eine simple Komplexität, der ich genau auf diese Art und Weise Ausdruck verleihe.
 
Polarlicht (Jersak) 4:34
Die einzige Eigenkomposition auf dieser Platte, die nach einer Reise zum Nordkap entstanden ist und sich zu einem meiner „most performed tracks“ entwickelt hat. Der Song reiht sich m.E. nahtlos in diese Playlist ein.
 
You Don’t Know What Love Is (Raye, Paul) 6:31
Ich liebe diesen Standard, habe ihn aber nur ganz selten im Repertoire. Bei den CD-Aufnahmen entstand er spontan als „first take“ aus der Improvisation heraus.
 
My Funny Valentine (Rodgers) 4:58
Diesen Song habe ich unzählige Male mit Sängerinnen und Sängern gespielt, und das Arrangement entstand schon vor einigen Jahren, fand aber noch nie einen Platz auf einer Aufnahme.
 
Infant Eyes (Shorter) 4:11
Dieses Stück von Wayne Shorter hat für mich eine unglaubliche Ruhe und gleichzeitig eine wahnsinnige Kraft. So wie Kinderaugen, aus denen Frieden, Vertrauen, aber auch Energie und Neugierde strahlt.
 
Cry Me A River (Hamilton) 8:00
Ich habe der intensiven Traurigkeit, die dieser Komposition zugrunde liegt, eine Gestalt gegeben, die durch die Einfachheit der Ausführung wie von selbst in den Vordergrund treten kann.
 
Somewhere Over The Rainbow (Arlen) 6:23
Wahrscheinlich einer der meist gespielten Standards, der auch schon lange in meinem Repertoire ist und der durch meine Version nochmal eine neue Facette bekommt.