Monika Schumacher

Morten Kargaard Septet * Zealand

VÖ21.07.2017 (Animato/InAkustik)
 
Morten Kargaard * Gitarre, Komposition

Mette Termansen * Oboe, English Horn

Maj Berit Guassora * Trompete, Fügelhorn

Karen Johanne Pedersen * Violine

Jákup Lützen * Viola

Samira Dayyani * Cello

Lars Johnsen * Kontrabass

 

Aufnahme:

Lindevang Kirche, Frederiksberg, Dänemark

 

www.mortenkargaardseptet.dk

https://www.youtube.com/watch?v=DXIdHgvtE3
 

Tracklist:

1. A Humble Prayer 3:52 * 2. The Wind 9:34 * 3. Folk Song 5:16 * 4. Painter’s Garden 4:12 * 5. You Must Believe 7:45 * 6. Swan Song Intro 4:46 * 7. Swan Song 6:37 * 8. A Boy’s Dream 5:37

 

Morten Kargaard’s neues Album “Zealand” widersetzt sich allen Versuchen einer eindeutigen Klassifizierung. Es ist die Melange zweier Genres, die sich vordergründig nicht zu Interaktionen einladen und hier zu einem neuen, innovativen Sound verschmelzen.

 

Der dänische Komponist und Gitarrist Morten Kargaard führt mit seinem Septett auf eine atemberaubende Reise zwischen klassischer und rhythmischer Musik. Seine Kompositionen stehen für außerordentliche musikalische Beweglichkeit – ein furchtloses Umarmen des Neuen und Ungewöhnlichen, bei gleichzeitig tiefem Verständnis und Respekt vor traditionellen Strukturen.

Seine musikalische Vision enthebt die Instrumente ihrer im klassischen Kontext festgeschriebenen Rollen, gibt ihnen Raum sich in die verschiedensten Richtungen zu bewegen.

Die Idee zu Morten Kargaard’s Musik entsteht bereits im Sommer 2012. Als Absolvent des Königlichen Dänischen Konservatoriums in Kopenhagen und der Berklee School Of Music in Boston fühlt er sich gleichermaßen in der klassischen wie in der rhythmischen Musik beheimatet. Und macht in all den Jahren doch immer wieder die Erfahrung, wie wenig Interaktion zwischen diesen beiden musikalischen Welten stattfindet. Kargaard’s leidenschaftliches Interesse gilt fortan der Zusammenführung dieser beiden Kunstformen – der Entwicklung eines Set-Ups, in dem beide stilistischen Sprachen zu Wort kommen, ihre Eigenheiten und ihre Kraft ausspielen dürfen, ohne sich gegenseitig zu überbieten.

 

Bald schon nimmt die Musik Gestalt an und sorgfältig wählt Kargaard die Instrumentierung seiner musikalischen Vision. Keines der Instrumente soll die “stimmliche” Macht besitzen, den Gesamteindruck zu überschatten: kein Schlagzeug also, dass die rhythmische Fraktion überrepräsentiert, keine fulminanten Bläser oder Streicher, die von einem Zuviel an Klassik zeugen könnten.

Eine Oboe und ein Flügelhorn jedoch erweisen sich als perfekte Begleiter für den Kontrabass. Flankiert von einer einzelnen Violine, der Viola und dem Cello – die auf neue Weise das harmonische Fundament übernehmen. Und dann die Gitarre – die irgendwann auch einmal die Instrumentenrolle der Harfe übernimmt und an anderer Stelle die Streicher von ihrer harmonischen Basis befreit. Die mild schleifende Oboe, die sich in den Figuren des Kontrabasses bewegt. Facettenreiche Streicher, die eine Gitarrenlinie übernehmen und ebenso den Sound eines Schlagzeugs imitieren… Eine farbige und gleichermaßen transparente Welt , in der

 

das Unerwartete den Traditionen in die Hände spielt und sich aus traditionellen Strukturen ein innovatives Verständnis Bahn bricht, w a s diese sieben Instrumente gemeinsamen produzieren können, wenn man sie aus ihren Rollenmustern entlässt.

 

Es ist eine durchweg melodiöse Gesamtheit, die sich dem Hörer offenbart. Thematisch ist Morten Kargaard’s “Zealand” inspiriert von der Vielfalt der nordischen Länder, dem Lichtspiel des fast allgegenwärtigen Wassers und der Weite der Landschaft. Gepaart mit der Offenheit und Neugier des Komponisten gegenüber der Spiritualität, die der Natur und dem Leben innewohnt.

Morten Kargaard über seine Kompositionen:

A Humble Prayer – Eine der seltenen Kompositionen, die sich fast von alleine schreiben. Aus einem besonderen Geisteszustand kam diese Melodie zu mir, bereit, sich zu entfalten. Glücklich mit dieser Inspiration und ihren Möglichkeiten, wollte ich dieses ausgezeichnete Material weiterentwickeln und arrangieren. Doch jedes mal, wenn ich versuchte, mehr von meinen Ideen in die Komposition einzubringen, erhielt ich die Antwort: “Bin schon fertig!” Am Ende merkte ich, dass diese Musik am besten durch und von sich selbst lebt. Daher auch der Titel des Stückes – entstanden aus einer demütigen Haltung gegenüber der Musik.

The Wind – Dieses Stück ist eine Auftragskomposition der Music Association von Fanoe. Eine kleine Insel in Dänemark, die besonders für ihren wunderschönen 20 km langen Nordseestrand geliebt wird. Meine Idee war, den allgegenwärtigen Wind dieses Landstrichs zu beschreiben. Ich höre den Wind nicht als eine spezifische Melodie, sondern als eine kurze rhythmische Phrase, welche die Transparenz und die ständige Bewegung des Windes transportiert. Es stellte sich heraus, dass diese Grundidee mannigfaltige Entwicklungsmöglichkeiten bietet– was am Ende in einen wahrhaft energetischen Ausbruch gipfelt.

Folk Song – Manchmal sind Kindheitserinnerungen mysteriös. Ich verbrachte als Kind viele Ferien im großelterlichen Sommerhaus auf der bereits erwähnten Insel Fanoe. Und es gab zwei Dinge, die ich in dieser Zeit am meisten fürchtete: Quecksilbersand und Volksmusik. Als ich viel später Musik für mein Septett komponierte, machte sich wie aus heiterem Himmel eine Volksmusikmelodie in meinem Kopf breit. Zuerst lehnte ich sie kategorisch ab – doch die Melodie war beharrlich und kehrte immer wieder zurück. So zog ich schließlich die Konsequenz und machte diese Musik zu einer Hommage and Fanoe und seine Volksmusik.

Painter´s Garden – Diese Komposition ist eine Hommage an die Errungenschaften des Impressionismus – sie erinnert an die Gemälde des dänischen Impressionisten Peder Severin Krøyer. Auf diesem Album ist es die “klassischste” Komposition.

You Must Believe – Mit ungeraden Metren herumspielen und Raum für Solo von Gitarre und Trompete lassen, das schwebte mir im Kopf herum. Die Idee, einen Fluss in der Musik entstehen zu lassen, mit Melodien, die einen Kontrapunkt in der Metrik der Musik haben.

Swan Song – Eine Auftragskomposition von der Toender Kirche, in Erinnerung an den 250. Todestag von Hans Adolph Brorson, eines berühmten dänischen Bischofs und Dichters. Inspiriert von seiner Poesie-Sammlung “Schwanenlied”. Das Stück ist ein mythischer Hinweis auf die letzte Reise auf Erden. Diese Komposition versucht, die in der letzten Lebenserfahrung unterschiedlichen Geisteszustände zu beschreiben und zu untersuchen. Die Musik beginnt mit einem Cello-Solo, welches dann die unterschiedlichen Themen der Komposition durchdringt und erforscht.

A Boy´s Dream – Eine Auftragsarbeit der Furesoe Music Association. Als Kind wuchs ich in dieser Region Dänemarks auf, Furesoe ist der drittgrößte See des Landes. Für meine Komposition ging ich zurück in die Zeit, als ich ein 10-jähriger Junge war – versuche die Gefühle und Gedanken dieses Kindes zu rekapitulieren. Die Träume, die das Leben in sich trägt, aber auch die Träume, die die Nacht bereithält. Eine glückliche Melodie, die sich gegen Ende zu einer sphärischen Stimmung.