Monika Schumacher

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KAOS PROTOKOLL * Everyone Nowhere

VÖ 16.11.2018 * Prolog Records / Broken Silence
 
Benedikt Wieland * bass, moog
Luzius Schuler * keys, efx
Simon Spiess * saxes, bass clarinet
Flo Reichle * drums, electronics
 
Live-Termine 2018:
02.10. Jazzlab VOLT, Hamburg (D) * 15.10. Schon Schön, Mainz (D) * 16.10. Kühlspot, Berlin (D) * 17.10. Salon am Moritzplatz, Berlin (D) * 18.10. Lokomov, Chemnitz (D) * 19.10. Brasserie La Terminus, Sarreguemines (F) * 20.10. White Rabbit Club, Freiburg (D) * 26.10. Point 11, Sion (CH) * 27.10. Entr Deux, La Chaux de Fonds (CH) * 18.11. Moods, Zürich (CH)
 
EVERYONE NOWHERE ist das vierte Album des Schweizer „Post Jazz“ Quartetts KAOS PROTOKOLL um den Bassisten Benedikt Wieland. Allein der Titelname liefert eine beißend scharfzüngige Einschätzung, wo wir gelandet sind – nicht nur als Kultur, sondern auch als Spezies an sich – der Fingerzeig auf die sich jedem bietende Möglichkeit, jederzeit mit allem in Verbindung treten zu können, bei gleichzeitiger größtmöglichen Verlorenheit.
Anstatt jedoch lautmalerisch einen so düsteren wie sardonisch infizierten Soundtrack abzuliefern, erwartet den Hörer ein tiefschürfendes, achtsames und äußerst introspektives Werk. Ein so diffizil wie sensibel gestaltetes Soundgemälde, akustischer Abdruck einer Psycho-Geografie; also der Wahrnehmung und das psychische Verhalten in Bezug auf eine unbekannte (geografische) Umgebung.
 
EVERYONE NOWHERE – das sind elektronisch flektierte post-future Beats, ist moderner spiritueller Jazz. Und ist dabei ein höchst persönliches Statement des Bandleaders, Komponisten und Bassisten Benedikt Wieland – reflektiert er auf diesem Album Ideen wie die Möglichkeit psycho-emotionaler Verbindung zu physikalischen Räumen und die Verflechtung als Künstler mit dem ewigen, alles verbindenden Kraftfluss.
 
„Ein großer Unterschied im kreativen Prozess gegenüber dem vorherigen Album war natürlich, dass ich für andere Instrumente (Bassklarinette, Tasten) schreiben konnte. Dies veränderte die Möglichkeiten grundlegend und eröffnete ein völlig neues Klangspektrum. Und fast jede Idee begann diesmal am Klavier und nicht am Bass.“ (Benedikt Wieland)
 
Eines ist sicher – mit dem Album EVERYONE NOWHERE haben sich für KAOS PROTOKOLL einschneidende Entwicklungen manifestiert. Zunächst gibt es mit Luzius Schuler an Rhodes und Keys ein Upgrade zum Quartett, was die Klangpalette der Band um enorme strukturelle und harmonische Möglichkeiten erweitert. Ebenfalls als Neuzugang stößt Saxofonist und Bassklarinettist Simon Spiess zu der Formation und bringt seinen so disziplinierten wie reflektierenden Spielduktus in das Klanggeschehen ein. Und, last but not least, wagte Benedikt Wieland den Sprung von Bern nach Berlin – macht damit diese exzentrische Stadt, die mit Fug und Recht als Zentrum der elektronischen Musik gilt, zum Dreh und Angelpunkt von KAOS PROTOKOLL. Wenn also EVERYONE NOWHERE entgegen des Vorgängeralbums Questclamationmarks wie eine akustische Neuerfindung der Band klingt, so ist dies das Ergebnis eines durchaus organischen Entwicklungsprozesses.
 
„Diese verträumten, poetischen, traurigen und zutiefst emotionalen Melodien haben mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Ich denke, dass einerseits meine Ausbildung zum Geiger der Ursprung dafür ist und andererseits die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Coltrane, Sun Ra, Pharao Sanders, Alice Coltrane – auf all ihren Platten geht es um tiefempfundene Harmonien. Einige Arrangements ihrer Kompositionen der 60er-Jahre weisen erstaunlich wenige Wechsel auf, verharren lange auf einem Akkord – das hat mich sehr beeinflusst. Eine andere Inspirationsquelle sind Komponisten wie Mussorgsky, Chopin, Debussy und Smetana für mich.“ (Benedikt Wieland)
 
Der erste Eindruck, den diese Musik hinterlässt ist „kühl und transparent“; nachdenklich und ja, „blau“, sind weitere Attribute, die man ihr zuordnen mag, wenn sie, sich dynamisch verändernd und immer wieder neu zwischen Hoffnung und Melancholie formierend, durch ihre Strukturen mäandert. Ständig scheint sie nach etwas Ausschau zu halten, nach einer weiteren Unmöglichkeit, um dennoch auf zauberische Weise mit der Logik musikalischer Strukturen in Balance zu bleiben. Ein weiteres Paradox ist die zu jeder Zeit deutlich spürbare Individualität der einzelnen Instrumentalisten, bei gleichzeitiger Unterordnung an das große Ganze – dem kunstvollen, mehrschichtigen Klangteppich. Benedikt Wieland gibt, um im Bild zu bleiben, mit seinen Kompositionen zwar Muster und Webart dieses Teppichs vor – überlässt aber die nuancierte Ausführung und fein ziselierte Ausgestaltung der Klanglichkeit in weiten Teilen seinen Mitstreitern.
 
EVERYONE NOWHERE wurde in nur zwei Sessions in den RecPublica Studios in Lubrza, Polen, aufgenommen. Unterstützt von Produzent Alexandre J. Maurer definieren KAOS PROTOKOLL eine perfekte Mischung aus akustischem und synthetischen Sound, verkörpern eine Art „future-retro“-Ästhetik und bringen diese souverän mit Electronics und zeitgenössischem Jazz auf eine Linie.
EVERYONE NOWHERE ist die sehr subjektive Landkarte eines real existierenden Fragments der Raumzeit – quasi der musikalische Ausdruck eines realen Besuchs dieser Dimensionen…!

Bereits am 18. April diesen Jahres erschien die digitale EP NEW CHAPTER – und erlangte ad hoc weltweit große Aufmerksamkeit bei Fach- und Fanbase; u.a. stellte Gilles Peterson den Titel auf seiner einflussreichen Plattform worldwidefm.net vor!